Endlich …

Autorin: Kathrin
28.09.2015

Ganz ehrlich ? Ich habe gedacht, je mehr Bücher man auf die Welt bringt, desto einfacher wird es. Weit gefehlt. Die Ansprüche steigen und die Technik ist einem nicht immer wohl gesonnen. Mein neues Werk, der Zeitzonenkater II hat mit etliche graue Haare gekostet. Eine schwierige Geburt sozusagen. Aber nun ist es fast vollbracht. Als kleiner Vorgeschmack hier schon einmal der Prolog … 🙂

Wo immer du hingehst, der Himmel hat überall dieselbe Farbe.

Aus Persien

Prolog

Der allererste Flugbegleiter war ein Deutscher, Heinrich Kubis heuerte 1912 bei der ‚DELAG’ an und arbeite auf dem Passagierzeppelin LZ-10 „Schwaben“. Auch die „Bodensee“, die „Graf Zeppelin“ und die legendäre „Hindenburg“ zählten zu seinen Arbeitsplätzen. Ellen Church war achtzehn Jahre später die erste weibliche Flugbegleitung an Bord eines Flugzeuges, obwohl ihr Ziel ursprünglich die Kanzel war. Als Pilotin wollte sie die ‚Boeing Air Transport Gesellschaft’, später United Airlines, leider nicht für den Einsatz auf einer Boeing 80A einstellen. Da sie aber nicht nur eine Pilotenlizenz ihr eigen nannte, sondern auch ausgebildete Krankenschwester war, konnte sie den zuständigen Manager überzeugen, dass eine Stewardess den Menschen an Bord ein hervorragender Gastgeber sein und sie vor allem beruhigen konnte – vor 85 Jahren war das Fliegen wahrhaftig noch ein großes Abenteuer. Flugangst und Reisefieber steckten bei den meisten Passagieren als Selbstverständlichkeit mit im Gepäck. Es kam darauf an, den aufgeregten Menschen an Bord mit Fingerspitzengefühl, freundlichem Lächeln und charmantem Service ein Wohlgefühl zu vermitteln und das können Damen schließlich genauso gut wie Herren. Die Einstellungsvoraussetzungen von damals, die Ellen Church selbst festlegte, waren knallhart: Die Bewerberinnen mussten eine Ausbildung als Krankenschwester vorweisen können, unter 25 Jahre alt, kleiner als 1,63 m und leichter als 52 Kilo sein. Zu den Betreuungsaufgaben an Bord kamen noch aktive Hilfe beim Tanken und tatkräftige Unterstützung der Piloten beim Schieben der Flugzeuge in den Hangar dazu. Für mich wäre der Traum vom Fliegen damals schon an den limitierten Körpermaßen geplatzt.

Welches kleine Mädchen wünschte sich zu der Zeit nicht in einer schicken Uniform in die Luft zu gehen? ‚Prinzessin’, ‚Balletttänzerin’ und ‚Stewardess’ wurden in einem Atemzug erwähnt, wenn es um die Frage nach der Berufswahl ging. Jetset, Übernachtungen in teuren Hotels und prominente Klientel versprachen den jungen Damen ein Leben im Luxus – welches im Falle einer Heirat allerdings schnell ein vorzeitiges Ende finden konnte.
Heutzutage ist eine vertragliche Liaison zum Glück kein Kündigungsgrund mehr und man muss auch nicht mehr zwingend ausgebildete Krankenschwester sein, um die Menschen an Bord betreuen zu dürfen. Das Reisen in luftiger Höhe ist heute auch nicht mehr den oberen 10.000 vorbehalten, es ist ein Volksverkehrsmittel geworden, getreu dem Motto: Fliegen ist für alle da. Damit haben sich leider auch das einstmals elitäre Ansehen und das Prestige der Steward/essen in der Masse verloren. Ein Ticket in die USA kann als Schnäppchen günstiger sein, als ein Wochenendausflug in den Schwarzwald. By the way, is the black forest open on sundays?

Dass das Fliegen so erschwinglich ist, hat die Welt für uns zusammenschrumpfen lassen. Ein Städtetrip nach Paris, ein Wochenende auf den Balearen oder fünf Tage an den Strand von Miami – alles keine Zauberei mehr. Der Glamour und das Glitzern sind für das fliegende Personal in den letzten Jahrzehnten immer weniger geworden. Piloten bewundert man auch heute noch, wenn sie in ihrer schmucken dunkelblauen Uniform mit der goldenen Litze am Ärmel über den Flughafen schreiten oder wenn sie beim Smalltalk ganz nebenbei von ihrem Beruf erzählen. Aber auch die Helden der Lüfte sind zunehmend der Kritik ausgesetzt, etwa wenn sie wieder mal zur besten Ferienzeit streiken, nur weil sie verteidigen möchten, was ihnen vertraglich zugesichert zusteht. Unverständnis und Neid der nichtfliegenden Bevölkerung sind da oft nicht weit entfernt. Sei es drum, jeder wählt sich seinen Beruf selbst.

Brauche ich wirklich Glamour und Glitzer? Die Zeiten sind wohl vorbei und ein wenig vermisse ich es schon. Ich bin nicht gerne eine ‚Saftschubse’, so wie der Duden großzügig meine Tätigkeit in seinem Nachschlagwerk erklärt. In erster Linie brauche ich einen Job, der mich auch morgens um 2:40 Uhr motiviert aus den Federn springen lässt, der mich an Feiertagen und an Wochenenden die Uniform mit einem Lächeln aus dem Schrank ziehen lässt und dem ich meine zerknitterte Optik im Spiegel nach einem 14 Stunden Dienst in der Aluminiumbüchse gnädig verzeihe. Ich bin in erster Linie für die Sicherheit an Bord zuständig und fülle meine Gastgeberrolle auch nach über einem Vierteljahrhundert noch sehr gerne aus. Menschen betüddeln, ihnen ein wohliges Gefühl an Bord zu vermitteln, das ist der Flugbegleiter-Job heute. Der Einsatz als Sicherheitsfachkraft kommt selten zum Tragen und das ist auch gut so, es zeigt, wie sicher diese Art zu reisen ist.

Dennoch ist das Fliegen auch 2015 noch ein großes Abenteuer! Es gibt zwar Menschen, die der Meinung sind, nach einer Weile sei es immer dieselbe Leier: „Süß oder salzig?“, „Wurst oder Käse?“, „Nudeln oder Huhn?“ Vielleicht erreicht man auch irgendwann den Zeitpunkt, an dem man definitiv aufhören sollte zu fliegen, etwa wenn man im Hotelzimmer erst einmal auf das Briefpapier schauen muss, um sicher zu sein, in welchem Land man sich gerade befindet, oder man lange überlegen muss, welche Sprache die adäquate wäre, um mit dem freundlichen Herren vom Zimmerservice zu kommunizieren. Weitere Zeichen von „ziemlich viel geflogen in der letzten Zeit“ sind die Tatsachen, dass sämtliche Kulis im eigenen Bestand blumige Hotelnamen haben, man zwingend eine rauschende Klimaanlage im Hintergrund braucht, um einschlafen zu können und bei jedem Klingeln an der Haustür nach oben schaut. Im Flugzeug befinden sich an der Kabinendecke nämlich die Lämpchen für das Bordtelefon.
So weit ist es bei mir zum Glück noch nicht, ich kann noch einkaufen gehen, ohne im Supermarkt am Einkaufswagen intuitiv die Bremse treten zu wollen, ich sortiere nicht ordentlich die Zeitschriften auf der Anrichte bevor Besuch kommt und begrüße diesen auch nicht „herzlich im Namen von Familie Leineweber“ neben der Wohnzimmergardine stehend. Sollte ich wirklich einen ‚Outside-check’ an meinem Wagen vornehmen, bevor ich irgendwo hinfahre, mir Orchideenspray fürs Gästebad kaufen oder mich im Fernsehsessel anschnallen wollen, dann muss ich überlegen, ob ich nicht eine Pause brauche. Im Moment bin ich noch weit davon entfernt.

Jeder Flug ist eine neue Herausforderung, die eine neue Crew mit sich bringt, mit der ich die nächsten Stunden oder Tage verbringen werde. Und natürlich neue Passagiere, auf jedem Flug gibt es frische, egal ob wir nur einmal um den Kirchturm herumfliegen oder über den großen Teich. Weil der Faktor Mensch unberechenbar ist, bleibt es immer spannend. Und in den Ecken und Ritzen meines Arbeitsplatzes, dem Universum Flugzeug, finde ich ihn ab und zu wieder: den Glitzer und den Glamour. Und den Unterhaltungsfaktor, den dieser Job täglich auf’s neue mit sich bringt.

Ich bitte gemütlich Platz zunehmen, wir sind in Kürze startbereit.

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