Gedanken zu dem Unglück von Germanwings

Autorin: Kathrin
12.06.2015

Die ersten Opfer des Germanwingsunglückes sind zurück. Und wieder stürzen sich die Medien darauf. Weiden sich an unserer Trauer, berichten im Detail vom Convoi nach Haltern, der die Schülerinnen und Schüler heimbringt. Und die beiden Lehrerinnen. Deren Särge sind schwarz, wie wir aufgeklärt werden, als Zeichen der Trauer. Die der Kinder sind weiß, als Zeichen, als Erinnerung für die schöne, miteinander verbrachte Zeit. Wie schrecklich.

Ich habe kein Problem damit, aus Mitgefühl mitzuheulen. Die Trauer sitzt tief. Ich frage mich manchmal, wie ich mich fühlen würde, wenn eines oder alle meine Kinder an Bord gewesen wären. Würde ich den Copiloten dann hassen?
Wahrscheinlich, denn Hass ist das naheliegenste Gefühl, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Wenn man ihn verliert, weil jemand anderes seinen Tod willentlich herbeigeführt hat.

Ich ringe immer noch mit mir. Mit der Trauer und der Scham. Mit der Trauer um 150 verlorene Seelen. Ja, 150. Und nicht 149. Wie konnte eigentlich überhaupt bei der Trauerfeier in Köln die Diskussion aufkommen, ob man 150 oder 149 Kerzen anmachen sollte? Ich bin immer noch betroffen, über die Berichterstattung. Jetzt weidet man sich noch einmal an den Gefühlen der Hinterbliebenen. Ich schäme mich so für unsere Medien.

Und ganz ehrlich bin ich immer noch nicht davon überzeugt, das der Copilot das Monster war, als was die Medien ihn darstellen. Noch nie war ein Flugzeugunglück nach 48 Stunden aufgeklärt. Auch wenn viele Fakten dafür sprechen, dass dieser junge Mann sich und alle anderen willentlich umgebracht hat – ich kann es immer noch nicht glauben. Aber was ich persönlich glaube, ist momentan nicht relevant – außer für mich.

Ich bin sehr erschüttert und zutiefst bewegt. Und dennoch verachte ich die Medien, wie sie uns wieder etwas servieren, damit wir an dem Leid teilhaben können. Hoffentlicht hinterfragen die Menschen solche Berichterstattung. Hoffentlich hören sie nie auf, Fragen zu stellen, anstatt stumpf zu konsumieren, ihr Käsebrötchen zu essen und dann zu Tagesordnung überzugehen.

Ich zünde jetzt eine Kerze an. Nein, zwei. Eine für alle Opfer des Unglückes und eine für die Crew. Und ich fühle mich allen sehr verbunden.

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