Bye bye Happy Airways

Autorin: Kathrin
06.02.2018

Mit der Insolvenz von Airberlin bin ich letztes Jahr ziemlich unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Fliegen war für mich weit mehr als ein Beruf – obwohl es noch nicht mal als ein solcher anerkannt wird – es war für mich meine Berufung, meine Passion. Gastgeber an Bord eines Flugzeuges zu sein, mich um die Gäste und um meine Crew zu kümmern, Hilfestellung zu leisten, zuzuhören, anzuleiten, auszubilden, zu motivieren … das war meine Aufgabe als Flugbegleiter, Purser und zuletzt als Performance & Leadershipcoach an der Heimatbasis Düsseldorf. Immer mit dem Ziel vor Augen, das Flugzeug sicher von A nach B zu begleiten und es allen Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Lohn dafür waren entspannte, dankbare Gäste, zufriedene Mitarbeiter und das eine oder andere Goodie in Form von schönen Übernachtungen rund um den ganzen Globus. Die Langstrecke war meine Welt, heute hier, morgen da, dort den dicken Zeh in das karibische Meer stecken, da die Spesen in einer ausländischen Großstadt durch die Finger rieseln lassen; was hatten wir für ein tolles Leben! Mein fliegendes Büro hat mich um die ganze Welt begleitet und ich bin für die vergangenen 27 Jahre sehr dankbar. Für die Menschen, die ich kennenlernen durfte, die Landschaften, die Gepflogenheiten, das Leben außerhalb meines eigenen, kleinen Universums. Das hat mich geprägt, mich wachsen und neugierig bleiben lassen.

Von der Fliegerei muss ich nun Abschied nehmen. Meinen Job gibt es so, wie ich ihn mal hatte, nun nicht mehr. Weder zu den materiellen Konditionen, die ich mir über all die Jahre erarbeitet habe, noch zu den zeitlichen, denn mit 50 bin ich weder bereit Vollzeit zu fliegen, noch meinen Lebensmittelpunkt ein weiteres Mal komplett zu verlagern. Ich werde mich an die Mitbewerber der Airberlin nicht unter Wert verkaufen, nur weil ich unbedingt fliegen will. Diese Möglichkeiten hätte es gegeben, aber das Wertgefüge hat für mich nicht gestimmt.

Dank eines lieben Menschen an meiner Seite habe ich den Luxus, ganz in Ruhe nach einem neuen Wirkungskreis suchen zu können, der mich genauso ausfüllt wie mein fliegendes Büro. Das wird verdammt schwer werden. Einen Anfang habe ich gemacht, indem ich in Felix-Kids-Club angefangen habe zu arbeiten, ein Ort der Begegnung für Kinder und Jugendliche. Hier treffe ich auch auf Thailand, Afrika, Arabien, China und den Rest der Welt. Auch hier rede ich mit Händen und Füßen und freue mich über ein warmes, ehrliches Lachen. Die Welt liegt unmittelbar vor einem, selbst vor der eigenen Haustür, man muss nur die Augen aufmachen.

Natürlich ist es nicht das gleiche. Selbstverständlich vermisse ich schon jetzt all meine liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen aus Kabine, Cockpit, von der Technik, vom Boden … die ganze Atmosphäre am Flughafen, die Vorfreude. Aber es gibt auch Dinge, die mir gar nicht fehlen: Schlecht gelaunte Gäste, Aufstehen um 3 Uhr morgens, anstrengende Dienstpläne, nicht genehmigter Urlaub, stundenlange Delays … Alles im Leben hat zwei Seiten.

Ich habe dahingehend lange nachgedacht, aber jetzt drehe ich die Medaille bewusst um. Ich werde diese Seite und diesen Blog schließen und meinem Leben eine neue Richtung geben. Dafür ist 50 doch eigentlich ein gutes Alter.

Sollte es noch Journalisten geben, die ehrlich über den Beruf der Flugbegleiter berichten möchten, dürfen sie mich gerne weiterhin kontaktieren. Allerdings nehme ich keinerlei Stellung zum Drama Airberlin, das tun schon andere zu genüge. Ich bitte um Verständnis.
Ich möchte mich freien Herzens an die schönen Seiten erinnern können und davon noch meinen Enkeln berichten – auch wenn ich selbstverständlich weiß, wie viel schiefgelaufen ist. Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Einem Neuanfang würden Hass und Groll aber nur im Weg stehen.

Meine Bücher werde ich weiter abverkaufen, Neuauflagen wird es aber keine geben. Des Weiteren gibt es noch die beiden Bücher beim Piper Verlag „Tür zu, es zieht!“ und „Zur Not kann die Kiste auch segeln!“, welches ich als Ghostwriter geschrieben habe. Mal sehen, wie lange sie sich am Markt noch halten. Schreiben werde ich sicherlich weiter, aber nicht mehr in dem Genre Fliegerei.

All meinen Kolleginnen und Kollegen, die bei anderen Airlines bereits ein Zuhause gefunden haben wünsche ich von Herzen alles Gute, viel Erfolg und natürlich always happy landings! Wann immer ich in Zukunft einen Kondensstreifen am Himmel sehe, werde ich mit sehnsüchtigem Herzen Eurem Flieger folgen.

Denjenigen, die bereits eine neue Herausforderung jenseits von Kerosin und Jetlag gefunden haben: Herzlichen Glückwunsch! Es beweist, wie begehrt wir Flieger auf dem Arbeitsmarkt sind.

Allen anderen Kolleginnen und Kollegen, die noch auf der Suche sind, wünsche ich starke Nerven, Durchhaltevermögen und Contenance – das, was wir an Bord gewuppt haben, ist doch ein Klacks dagegen!

Ich bin sehr stolz, dass sich Euch alle kennenlernen durfte und Ihr fehlt mir jetzt schon ohne Ende! Let’s stay united by hearts. <3 „Wir gewinnen nicht, indem wir bekämpfen, was wir hassen, wir kämpfen für das, was wir lieben!“ (Zitat aus Star Wars) In diesem Sinne 
Eure Kathrin

7 Kommentare zu “Bye bye Happy Airways”

  1. Hans Ritter schrieb:

    Well done!
    Alles Gute für die Zukunft!

  2. Hans Ritter schrieb:

    Schade, habe die Bücher immer gerne gelesen. Es wird was fehlen.
    Alles Gute für die Zukunft!
    Hans

  3. Bruno Münster schrieb:

    Liebe Kathrin,
    ich kann Dich gut verstehen. Wer einmal in der dritten Dimension war, vergisst das nicht und schaut jedem Flugzeug hinterher.
    Das geht mir als alter Knochen (80 J)auch heute noch so.
    Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute,auch hier unten am Boden mit dem Fliegergruß „Hals- und Beinbruch“.
    Herzliche Grüße aus Münster, Bruno

  4. Delia schrieb:

    Hi Kathrin,

    das hast du wirklich sehr schön geschrieben. Ich wünsche dir auch als „Fußgängerin“ viel Erfolg!

    LG Delia

  5. Wings forever schrieb:

    Liebe Frau Leineweber!

    Ich habe Ihre Zeilen hier mehrfach gelesen.
    Schon damals als Ihre Kolumne bei airliners.de sich dem Ende näherte war ich ziemlich traurig, denn ich hätte zu gerne einfach immer weiter gelesen, denn Sie haben einen Nerv in mir getroffen.

    „Mein Ende“ fand bereits 2013 als „Fachkollege von Ihnen“ (P2 bei LH) statt.
    „Meine Airline“ gibt es zwar noch, aber ich konnte meine Tätigkeit a.G. gesundheitlicher Probleme leider nicht mehr ausüben.
    Ich wurde von heute auf morgen aus dem Fliegerleben geschleudert.

    Ich konnte Ihren Zeilen, auch denen vom Februar so derart viel nachempfinden… Sie brachten mich so oft zum Schmunzeln, da ich vieles was Sie schrieben selber so erlebte.

    Man geht mit einem Lächeln, ja- aber das Herz wird immer weiter an dem Thema Luftfahrt hängen.
    Betrete ich heute einen Flieger privat habe ich noch immer dieses Herzklopfen, wie 1994 bei meinem allerersten Flug als Additional Crewmember nach GRZ.

    Nur bin ich heute traurig, wenn diese privaten Flüge sich dem Ende nähern- denn sie kommen einfach nur noch höchstens 3x im Jahr vor.
    Klar- man kommt „oberflächlich“ über alles hinweg.
    Aber die Liebe zur Fliegerei wird wahrscheinlich bis zum Lebensende anhalten, Ich frage mich manchmal, ob dies Fluch oder Segen sein soll…

    Man lenkt sich ab mit dem Einen oder Anderen, (ich arbeite inzwischen am Boden außerhalb der Luftfahrt in der Kanzlei meines Mannes) aber nichts ist mehr, wie es damals war- mein eigener Schwung von damals fehlt mir irgendwie.

    Selbst wenn ich an eine von mir eher „unbeliebte Destination“ flog, war ich weit motivierter als heute an einem meiner Bürotage.

    Der stets gepackte Koffer (für SB-Lines) fehlt, steht leer auf dem Dachboden, die Neugier auf Neues fehlt inzwischen ebenso.
    Jeder Tag ist gleich, es gibt nichts wirklich packendes mehr, immer der gleiche Arbeitsplatz, immer die selben Kollegen,(und noch schlimmer) immer der selbe Chef „an Bord“.

    Der Wecker klingelt jetzt immer zur selben Zeit, ich bin jeden Tag wieder Daheim, wenn ich arbeite.

    Ich vermisse das Fliegen sehr- ich hätte es selber nie für möglich gehalten!
    Sicher war ich selber ziemlich oft mit meinen damaligen Dienstplänen, Destinations, usw. unzufrieden.
    Aber das Leben so auf dem Boden empfinde ich als „Liebend-gerne-Flieger“ doch weit eintöniger.

    Der Alltagstrott hat einen eben eingefangen, was ich selber als sehr Eintönig empfinde- und das nach all den Jahren inzwischen bei mir.

    Ich hoffe, das es Ihnen weit besser geht und Sie eine echte Erfüllung nach der Fliegerei finden, bzw. gefunden haben!

    Ihnen von ganzem Herzen alles Liebe und Gute, „Aufstehen, Krönchen richten und weiter“ 😉
    Always happy Landings im private life!

    Wings forever
    (Meinen Namen sehen Sie in meiner Email-Adresse.)

  6. Paco Cortegiano schrieb:

    Da haben Sie zum Glueck die richtige persoenliche Haltung gewonnen und es mit passenden Worten ausgedrueckt.

    Es ist sehr schade, auch fuer uns, als Passagier. Ein Trost ist, dass Veraenderungen etwas Normales sind – und das ist es, was schwer zu erkennen und noch viel schwerer durchzufuehren ist.

    Die Erinnerungen bleiben. 🙂

  7. Stefanie schrieb:

    Liebe Kathrin,

    ich habe all Ihre Kolumnen als Jenny Jetstream gelesen und finde Sie als Person und wie Sie schreiben einfach großartig.

    Ich werde leider von sehr starker Flugangst geplagt und mit Ihren kleinen Geschichten ging es mir immer besser.

    Danke dafür.

    Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Liebe für Ihre Zukunft und hoffentlich darf ich irgendwann wieder von Ihnen lesen.

    Mit lieben Grüßen – Stefanie

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